ScanMyLove – Analysemethodik

Technisches Dokument für Fachkräfte der psychischen Gesundheit

Version: 5.0 Datum: Februar 2026 Herausgeber: Psychologie et Sérénité Kontakt: contact@psychologieetserenite.com


Inhaltsverzeichnis

  1. Einführung und erkenntnistheoretischer Rahmen
  2. Analysierte Rohdaten (Inputs)
  3. Die 14 verwendeten klinischen Modelle (Processing)
  4. Synthese und Gewinnung von Erkenntnissen (Outputs)
  5. Methodische Grenzen
  6. Wissenschaftliche Referenzen

1. Einführung und erkenntnistheoretischer Rahmen

ScanMyLove ist eine Plattform zur computergestützten Analyse schriftlicher Konversationen (WhatsApp, Messenger, Instagram, Telegram, SMS, E-Mails, Screenshots). Sie wendet 14 theoretische Rahmenwerke aus der klinischen Psychologie, der Sozialpsychologie und den Kommunikationswissenschaften an, um aus Textaustauschen eine Beziehungslandkarte zu erstellen.

Das Werkzeug versteht sich ausdrücklich als Instrument zur Unterstützung der Reflexion und nicht als Diagnoseinstrument. Es ersetzt weder eine klinische Konsultation noch eine standardisierte psychometrische Untersuchung. Sein Ziel ist es, quantitative und qualitative Orientierungspunkte zu liefern, die den Nutzern (und gegebenenfalls ihren Therapeuten) helfen, die in ihren Austauschen wirksamen Beziehungsdynamiken besser zu verstehen.

Architektur der Analysepipeline

Der Analyseprozess gliedert sich in drei Phasen:

  1. Extraktion und Metrologie (clientseitig): Parsing der Konversationen, Berechnung von mehr als 25 deskriptiven statistischen Kennzahlen, Erkennung von Ereignissen emotionaler Brüche.
  2. Multimodell-Analyse (serverseitig): parallele Verarbeitung durch Sprachmodelle, die die 14 klinischen Raster auf das anonymisierte Korpus anwenden.
  3. Synthese und Berichterstellung: Aggregation der Scores, Bildung zusammengesetzter Dimensionen, Erstellung des Berichts mit Empfehlungen.

2. Analysierte Rohdaten (Inputs)

2.1 Akzeptierte Datenquellen

Quelle Format Extraktionsmethode
WhatsApp Textexport (.txt, .zip) Zeitliche Regex FR/EN (iOS/Android)
Messenger Facebook-JSON-Export Strukturiertes JSON-Parsing
Instagram JSON-Export Strukturiertes JSON-Parsing
Telegram HTML/JSON-Export Multiformat-Parsing
SMS Textexport Heuristische Erkennung
E-Mail Reiner Text Generisches Parsing
Screenshots PNG, JPG, WEBP, HEIC OCR über Vision-Modell (max. 30 Bilder)

Die Konversationen werden vorverarbeitet: dateiübergreifende Deduplizierung und Erkennung der Zeichenkodierung (UTF-8, UTF-16, Latin-1).

2.2 Deskriptive Kennzahlen pro Teilnehmer

Umfang und Länge

Kennzahl Definition Einheit
Anzahl der Nachrichten Gesamtzahl der gesendeten Nachrichten Ganzzahl
Anzahl der Wörter Gesamtzahl der geschriebenen Wörter Ganzzahl
Durchschnittliche Länge pro Nachricht Verhältnis Wörter/Nachrichten Wörter/Nachricht
Längste Nachricht Nachricht mit der höchsten Wortzahl Wörter

Sprachliche und emotionale Vielfalt

Kennzahl Definition Berechnungsmethode
Emoji-Dichte Gesamtzahl der verwendeten Emojis Unicode-Zählung
Top 20 Emojis Häufigste Emojis pro Teilnehmer Absteigende Häufigkeit
Anzahl der Fragen Nachrichten mit „?“ Erkennung der Zeichensetzung
Anzahl der Ausrufe Nachrichten mit „!“ Erkennung der Zeichensetzung
Multimediale Inhalte Nachrichten mit Bildern, Audio, Video Erkennung über Tags
Top 30 Wörter Häufigste Wörter (ohne mehr als 150 Stoppwörter) Häufigkeit nach Filterung
Top-Ausdrücke Wiederkehrende Bigramme und Trigramme N-Gramm-Analyse

Zeitlichkeit und Reaktionsschnelligkeit

Kennzahl Definition Verarbeitung
Durchschnittliche Antwortzeit Mittlere Verzögerung zwischen empfangener Nachricht und Antwort Arithmetisches Mittel, Filterung >24 h
Mediane Antwortzeit Medianwert der Verzögerungen Median, robuster gegenüber Ausreißern
Stündliche Verteilung Verteilung der Nachrichten über 24 Stunden Histogramm 0–23 Uhr
Wöchentliche Verteilung Verteilung über 7 Tage Sonntag bis Samstag
Aktivitäts-Heatmap Matrix 7 Tage x 24 Stunden Nachrichtendichte pro Zeitfenster
Längste aktive Serie Maximale Anzahl aufeinanderfolgender Tage mit Austausch Serienzählung

Dynamikindikatoren

Kennzahl Definition
Initiator des Austauschs Feststellung, wer die erste Nachricht jeder täglichen Konversation sendet
Erste Nachricht insgesamt Verfasser der allerersten Nachricht des Korpus
Letzte Nachricht insgesamt Verfasser der jüngsten Nachricht
Gesamtdauer der Konversation Anzahl der vom Korpus abgedeckten Tage
Nachrichten pro Tag (Durchschnitt) Durchschnittliches Tagesvolumen

2.3 Erkennung von Ereignissen emotionaler Brüche

Die Bruch-Engine erkennt 5 Ereignistypen durch eine Längsschnittanalyse des Korpus.

Affektverhältnis (gleitendes 7-Tage-Fenster)

Die Berechnung stützt sich auf zwei Wörterbücher sprachlicher Marker:

Formel:

affective_ratio = positive_markers / (positive_markers + negative_markers + 1)

Das Verhältnis liegt zwischen 0 (vollständig negativ) und 1 (vollständig positiv). Die Glättung über 7 Tage verringert das Rauschen durch tägliche Schwankungen.

Erkannte Ereignistypen

Ereignis Erkennungskriterium Schweregrad
Affektabfall Rückgang des Affektverhältnisses >30 % (mittel) oder >60 % (hoch) über 14 Tage Mittel / Hoch
Ghosting Schweigen von 3–6 Tagen (mittel) oder 7+ Tagen (hoch) nach 5+ aktiven Tagen Mittel / Hoch
Kommunikationsrückzug Rückgang des Wochenvolumens >60 % (mittel) oder >80 % (hoch) Mittel / Hoch
Akuter Konflikt Spitze negativer Marker >3x des Tagesdurchschnitts Mittel / Hoch
Zusammengesetzte Trennung Gleichzeitiges Auftreten eines Affektabfalls und von Ghosting innerhalb eines 14-Tage-Fensters Immer Hoch

Ereignisse werden innerhalb eines 3-Tage-Fensters dedupliziert, um Redundanz zu vermeiden.


3. Die 14 verwendeten klinischen Modelle (Processing)

Verarbeitungsarchitektur

Die klinische Analyse erfolgt in einer parallelen, in Gruppen organisierten Verarbeitungspipeline. Jede Gruppe befragt unabhängig ein Sprachmodell mit einem spezifischen Prompt, der ein strukturiertes Bewertungsraster und ein JSON-Ausgabeschema kodiert.

Es werden zwei Analysestufen angeboten:

Stufe Gruppen Abgedeckte Modelle Durchschnittliche Dauer
Standard (2,99 €) 5 parallele Gruppen 7 Modelle ca. 22 Sekunden
Premium (3,99 €) 9 parallele Gruppen 14 Modelle + Aktionsplan ca. 33 Sekunden

Das Konversationskorpus wird zunächst anonymisiert (Namen durch „Person A“ / „Person B“ ersetzt; Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Anschriften und Bankdaten geschwärzt) und nach einer Budgetstrategie von 160.000 Zeichen gekürzt, die gezielt aufgeteilt wird:

Diese Aufteilung stellt sicher, dass das Modell Zugriff auf den Anfangskontext, die Zwischenentwicklung und den aktuellen Stand der Beziehung hat.


Modell 1: Sternbergs Dreieckstheorie der Liebe

Theoretische Referenz: Sternberg, R. J. (1986). A Triangular Theory of Love. Psychological Review, 93(2), 119-135.

Was es misst: Drei grundlegende Komponenten der Liebe – Intimität (emotionale Nähe, Vertrauen, Teilen), Leidenschaft (Begehren, Anziehung, Begeisterung) und Bindung bzw. Commitment (bewusste Entscheidung, die Beziehung aufrechtzuerhalten).

Bewertungsmethode: Jede Komponente wird anhand der Analyse konversationeller Marker auf einer Skala von 0 bis 100 bewertet:

Klinische Interpretation: Die Kombination der drei Scores ergibt eine Typologie von 7 Liebesformen (vollkommene Liebe, kameradschaftliche Liebe, Verliebtheit, leere Liebe, romantische Liebe, alberne Liebe, Zuneigung/Freundschaft).


Modell 2: Die 5 Sprachen der Liebe (Chapman)

Theoretische Referenz: Chapman, G. (1992). The Five Love Languages: How to Express Heartfelt Commitment to Your Mate. Northfield Publishing.

Was es misst: Die bevorzugte Art jedes Teilnehmers, Zuneigung auszudrücken und zu empfangen.

Bewertungsmethode: Fünf Dimensionen, für jeden Teilnehmer von 0 bis 100 bewertet:

Klinische Interpretation: Die Analyse bestimmt die dominante Sprache jedes Teilnehmers und misst den Grad der Übereinstimmung oder Diskrepanz (Gap-Analyse). Ein deutlicher Abstand zwischen den Hauptsprachen der beiden Teilnehmer ist ein Indikator für mögliche Beziehungsfrustration.


Modell 3: Die vier apokalyptischen Reiter (Gottman)

Theoretische Referenz: Gottman, J. M. (1994). What Predicts Divorce? The Relationship Between Marital Processes and Marital Outcomes. Lawrence Erlbaum Associates. Gottman, J. M., & Silver, N. (1999). The Seven Principles for Making Marriage Work. Three Rivers Press.

Was es misst: Die vier Kommunikationsverhaltensweisen, die nach den Arbeiten des Gottman Institute die Auflösung eines Paares am besten vorhersagen.

Bewertungsmethode: Vier Indikatoren, von 0 bis 100 bewertet:

Verhältnis positiv/negativ: Berechnung des Verhältnisses positiver zu negativen Interaktionen.

Verhältnis Interpretation
>= 5:1 Gesunde Beziehung (Gottman-Schwelle)
3:1 bis 5:1 Beobachtungszone
< 3:1 Alarmzone (ein Reiter > 50)
< 1:1 Kritische Zone (ein Reiter > 70)

Klinische Interpretation: Gottmans Forschung zufolge sagt das gleichzeitige Vorliegen dieser vier Verhaltensweisen eine Trennung über 6 Jahre mit einer Genauigkeit von etwa 93 % voraus. Verachtung gilt als der toxischste Prädiktor.


Modell 4: Machtdynamik (Verfolger / Distanzierer)

Theoretische Referenz: Johnson, S. M. (2008). Hold Me Tight: Seven Conversations for a Lifetime of Love. Little, Brown and Company. Fogarty, T. F. (1976). Marital crisis. In P. J. Guerin (Ed.), Family Therapy: Theory and Practice. Gardner Press.

Was es misst: Die Verteilung emotionaler und kommunikativer Macht im Paar, gemessen anhand der Dynamik von Verfolger und Distanzierer.

Bewertungsmethode:

Ungleichgewichtsstufen:

Abstand Einstufung
0-15 Gleichgewicht
16-30 Leichtes Ungleichgewicht
31-50 Ungleichgewicht
> 50 Starkes Ungleichgewicht

Klinische Interpretation: Ein Ungleichgewicht zwischen Verfolger und Distanzierer verstärkt sich selbst: Je mehr der Verfolger drängt, desto stärker zieht sich der Distanzierer zurück, was die Angst des Verfolgers erhöht (Johnson, 2008). Die Identifizierung dieser Dynamik ist ein Schlüsselschritt der Emotionsfokussierten Paartherapie (EFT).


Modell 5: Bindungsstile (Bowlby, Ainsworth, Bartholomew)

Theoretische Referenzen: Bowlby, J. (1969). Attachment and Loss, Vol. 1: Attachment. Basic Books. Ainsworth, M. D. S., Blehar, M. C., Waters, E., & Wall, S. (1978). Patterns of Attachment. Lawrence Erlbaum. Bartholomew, K., & Horowitz, L. M. (1991). Attachment Styles Among Young Adults: A Test of a Four-Category Model. Journal of Personality and Social Psychology, 61(2), 226-244.

Was es misst: Den vorherrschenden Bindungsstil jedes Teilnehmers, abgeleitet aus seinem Konversationsverhalten.

Bewertungsmethode: Vier Dimensionen, für jeden Teilnehmer von 0 bis 100 bewertet:

Klinische Interpretation: Der Bindungsstil ist der beste Prädiktor für wiederkehrende Beziehungsmuster (Hazan & Shaver, 1987). Die Analyse bestimmt den dominanten Stil und misst die Kompatibilität der Stile der beiden Teilnehmer.


Modell 6: Kognitive Verzerrungen (Beck)

Theoretische Referenz: Beck, A. T. (1976). Cognitive Therapy and the Emotional Disorders. International Universities Press. Burns, D. D. (1980). Feeling Good: The New Mood Therapy. William Morrow.

Was es misst: Die systematischen Fehler der Informationsverarbeitung, die im Diskurs jedes Teilnehmers vorhanden sind.

Bewertungsmethode: Mehr als 10 Arten von Verzerrungen, von 0 bis 100 bewertet, mit Angabe veranschaulichender Auszüge:

Verzerrung Definition Typisches Konversationsbeispiel
Gedankenlesen Zu wissen glauben, was der andere beabsichtigt „Du sagst das, aber ich weiß, dass du das Gegenteil denkst“
Personalisierung Sich selbst die Ursache äußerer Ereignisse zuschreiben „Wenn du schlechte Laune hast, liegt es an mir“
Übergeneralisierung Aus einem Einzelfall eine allgemeine Regel ableiten „Du gibst dir NIE Mühe“
Katastrophisieren Sich das schlimmstmögliche Szenario ausmalen „Wenn du nicht antwortest, ist es aus“
Emotionale Beweisführung Emotion mit Realität verwechseln „Ich fühle es, also stimmt es“
Mentaler Filter Nur das Negative behalten Komplimente ignorieren, sich auf eine einzige Bemerkung fixieren
Dichotomes Denken Alles oder nichts „Entweder liebst du mich vollständig oder du liebst mich nicht“
Etikettieren Den anderen auf eine einzige Eigenschaft reduzieren „Du bist ein egoistischer Mensch“
Herunterspielen Das Positive abwerten „Okay, das hast du getan, aber das ist selbstverständlich“
Imperative („Sollte“) Starre Normen auferlegen „Du solltest wissen, was ich brauche“

Klinische Interpretation: Häufigkeit und Vielfalt kognitiver Verzerrungen korrelieren mit Beziehungsstress (Epstein & Baucom, 2002). Ihre Identifizierung ist ein wichtiger therapeutischer Hebel in der kognitiven Verhaltenstherapie für Paare. Zu jeder erkannten Verzerrung werden 1 bis 2 reale Auszüge aus der Konversation angegeben.


Modell 7: Youngs frühe maladaptive Schemata (Premium)

Theoretische Referenz: Young, J. E., Klosko, J. S., & Weishaar, M. E. (2003). Schema Therapy: A Practitioner's Guide. Guilford Press.

Was es misst: Die in der Beziehungsdynamik aktivierten frühen maladaptiven Schemata, für jeden Teilnehmer bewertet.

Bewertungsmethode: 18 Schemata, von 0 bis 100 bewertet und in 5 Domänen gruppiert:

Domäne 1 – Abgetrenntheit und Ablehnung

Domäne 2 – Beeinträchtigung von Autonomie und Leistung

Domäne 3 – Beeinträchtigung im Umgang mit Grenzen

Domäne 4 – Fremdbezogenheit

Domäne 5 – Übermäßige Wachsamkeit und Gehemmtheit

Klinische Interpretation: Frühe maladaptive Schemata sind stabile, sich selbst aufrechterhaltende Muster, die die Deutung von Beziehungsereignissen verzerren (Young et al., 2003). Ihre Erkennung in Textaustauschen hilft, die Kernthemen der Schemata zu bestimmen, die die Dynamik des Paares organisieren.


Modell 8: Gewaltfreie Kommunikation (Premium)

Theoretische Referenz: Rosenberg, M. B. (2003). Nonviolent Communication: A Language of Life. PuddleDancer Press.

Was es misst: Die Fähigkeit jedes Teilnehmers, nach dem OFNR-Prozess der GFK (Observation, Feeling, Need, Request – Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte) zu kommunizieren.

Bewertungsmethode: Gesamtscore von 0 bis 100 pro Teilnehmer, aufgeschlüsselt in:

Klinische Interpretation: Nachrichtenauszüge werden mit einer GFK-/Nicht-GFK-Analyse und Umformulierungsvorschlägen bereitgestellt. Die GFK wird in der Paarmediation und der Beziehungstherapie breit eingesetzt.


Modell 9: DISG-Profil (Premium)

Theoretische Referenz: Marston, W. M. (1928). Emotions of Normal People. Kegan Paul. Angepasst und modernisiert von J. Geier (1958) und im DiSC-Modell von Wiley.

Was es misst: Den verhaltensbezogenen Kommunikationsstil jedes Teilnehmers entlang von vier Achsen.

Bewertungsmethode: Vier Dimensionen, pro Teilnehmer von 0 bis 100 bewertet:

Klinische Interpretation: DISG-Unverträglichkeiten (z. B. hohes D + hohes S beim anderen) sind Quellen kommunikativer Reibung. Die Identifizierung des Profils hilft, Dialogstrategien anzupassen.


Modell 10: Karpmans Dramadreieck (Premium)

Theoretische Referenz: Karpman, S. B. (1968). Fairy Tales and Script Drama Analysis. Transactional Analysis Bulletin, 7(26), 39-43.

Was es misst: Die drei dysfunktionalen Rollen, die in psychologischen Beziehungsspielen eingenommen werden.

Bewertungsmethode: Drei Rollen, pro Teilnehmer von 0 bis 100 bewertet:

Klinische Interpretation: Die Analyse erkennt auch Rollenwechsel im Zeitverlauf. Die Zirkularität von Karpmans Spielen ist ein Schlüsselkonzept der Transaktionsanalyse: Der Verfolger kann zum Opfer werden, das Opfer kann zum Verfolger werden, und so weiter.


Modell 11: Das Johari-Fenster (Premium)

Theoretische Referenz: Luft, J., & Ingham, H. (1955). The Johari Window: A Graphic Model of Interpersonal Awareness. Proceedings of the Western Training Laboratory in Group Development, UCLA.

Was es misst: Den Grad an Offenheit und Transparenz jedes Teilnehmers in der Beziehung.

Bewertungsmethode: Vier Bereiche, pro Teilnehmer von 0 bis 100 bewertet:

Klinische Interpretation: Ein großer offener Bereich geht mit größerer Beziehungszufriedenheit einher. Die Analyse bestimmt den Grad der Gegenseitigkeit bei der Selbstoffenbarung.


Modell 12: Schutz' FIRO (Premium)

Theoretische Referenz: Schutz, W. (1958). FIRO: A Three-Dimensional Theory of Interpersonal Behavior. Holt, Rinehart & Winston.

Was es misst: Die drei grundlegenden zwischenmenschlichen Bedürfnisse in ihrer ausgedrückten und gewünschten Dimension.

Bewertungsmethode: 6 Scores von 0 bis 100 pro Teilnehmer (3 Bedürfnisse x 2 Dimensionen):

Bedürfnis Ausgedrückt Gewünscht
Zugehörigkeit Neigung, den anderen einzubeziehen Bedürfnis, einbezogen zu werden
Kontrolle Neigung zu führen Bedürfnis, geführt zu werden
Zuneigung Neigung, Zuneigung auszudrücken Bedürfnis, Zuneigung zu empfangen

Klinische Interpretation: Der Abstand zwischen ausgedrückten und gewünschten Scores zeigt unausgesprochene zwischenmenschliche Frustrationen. Ein großer Abstand auf der Achse der Zuneigung (starkes gewünschtes Bedürfnis, schwacher Ausdruck beim anderen) ist ein Indikator für emotionale Entbehrung.


Modell 13: Polyvagal-Theorie (Premium)

Theoretische Referenz: Porges, S. W. (2011). The Polyvagal Theory: Neurophysiological Foundations of Emotions, Attachment, Communication, and Self-Regulation. W. W. Norton.

Was es misst: Den Zustand des autonomen Nervensystems, abgeleitet aus dem Kommunikationsstil, gemäß den drei Ästen des Vagusnervs.

Bewertungsmethode: Drei Zustände, pro Teilnehmer von 0 bis 100 bewertet:

Klinische Interpretation: Die Polyvagal-Theorie bietet einen neurobiologischen Rahmen, um Rückzugs- oder Aggressionsreaktionen im Paar zu verstehen. Ein Teilnehmer in einem anhaltenden dorsalen Zustand erfordert einen anderen therapeutischen Ansatz als einer in sympathischer Aktivierung.


Modell 14: Erkennung von Gewalt (Premium)

Dieses Modell gliedert sich in zwei einander ergänzende Teilmodelle, die bedingt aktiviert werden.

14a. Walkers Gewaltzyklus

Theoretische Referenz: Walker, L. E. (1979). The Battered Woman. Harper & Row. Walker, L. E. (2009). The Battered Woman Syndrome (3rd ed.). Springer Publishing.

Auslöser: Aktiviert, wenn der globale Toxizitäts-Score > 60 ist oder wenn mehr als 3 Affektabfälle oder Ghosting-Episoden erkannt werden.

Was es misst: Das Vorliegen und die Phasen des Zyklus häuslicher Gewalt.

Bewertungsmethode: Identifizierung der 4 Phasen mit Datierung:

  1. Spannungsphase: Stressaufbau, wachsende Reizbarkeit
  2. Explosionsphase: Ausagieren (im Textkontext verbal)
  3. Versöhnungsphase: Entschuldigungen, Versprechen der Besserung
  4. Flitterwochenphase: Rückkehr zur Zuneigung, Idealisierung

14b. Macht- und Kontrollrad (Duluth)

Theoretische Referenz: Pence, E., & Paymar, M. (1993). Education Groups for Men Who Batter: The Duluth Model. Springer Publishing.

Auslöser: Aktiviert, wenn der Toxizitäts-Score > 50 ist.

Was es misst: Die 8 Macht- und Kontrollmechanismen, die das Duluth-Modell identifiziert.

Bewertungsmethode: Acht Indikatoren, von 0 bis 100 bewertet:

Klinische Interpretation: Diese beiden Modelle werden bedingt aktiviert, um falsch-positive Ergebnisse in gesunden Beziehungen zu vermeiden. Bei Aktivierung wird gut sichtbar ein Sicherheitsbanner mit Notrufnummern angezeigt (örtliche Notdienste und Hilfetelefone, über findahelpline.com; ein Bericht auf Französisch nennt die französischen Nummern: 3114 – Suizidprävention, 3919 – häusliche Gewalt, 114 – Notruf per SMS).


4. Synthese und Gewinnung von Erkenntnissen (Outputs)

4.1 Zusammengesetzte Dimensionen

Die Einzelscores der 14 Modelle werden zu zusammengesetzten Dimensionen aggregiert, die einen synthetischen Blick auf die Beziehung bieten.

Standardstufe (5 Dimensionen):

Dimension Beitragende Modelle
Zuneigung Sternberg (Intimität, Leidenschaft), Chapman (Sprachen), FIRO (Zuneigung)
Kommunikation Gottman (Verhältnis), GFK, DISG, Machtdynamik
Konflikt Gottman (4 Reiter), Karpman, kognitive Verzerrungen
Commitment Sternberg (Commitment), gemeinsame Pläne, zukunftsgerichteter Diskurs
Gleichgewicht Machtdynamik, Bindung, Gegenseitigkeit der Austausche

Premium-Stufe (zusätzliche Dimensionen):

Dimension Beitragende Modelle
Vertrauen Bindung, Young (Misstrauen/Missbrauch), Johari (offener Bereich)
Intimität Sternberg, Johari, FIRO (Zugehörigkeit/Zuneigung), Selbstoffenbarung
Respekt Gottman (Abwesenheit von Verachtung), Duluth, Machtgleichgewicht
Humor Erkennung von Leichtigkeit, Wortspielen, spielerischen Emojis
Zukunftsprojektion Zukunftsorientierung, Planung, ausdrückliches Commitment

4.2 Gesamtscore und Stufen

Der Gesamtscore wird als arithmetisches Mittel aller Dimensionen berechnet.

Gesamtscore Interpretation
>= 70 / 100 Positive Beziehung
40 - 69 / 100 Beziehung unter Spannung
< 40 / 100 Beziehung in Schwierigkeiten

4.3 Beziehungsprognose

Die Prognose wird aus allen Indikatoren erstellt und enthält:

4.4 Therapeutischer Aktionsplan (Premium)

Der Premium-Bericht enthält einen in 3 Phasen gegliederten Aktionsplan, der jeweils 2 bis 3 konkrete Übungen mit Titel, Beschreibung und empfohlener Häufigkeit umfasst.


5. Methodische Grenzen

5.1 Was die Analyse NICHT leisten kann

  1. Eine klinische Diagnose stellen. ScanMyLove ist kein Diagnoseinstrument im Sinne des DSM-5 oder der ICD-11. Es kann keine Persönlichkeitsstörung, keine Depression, keine Angststörung und keine andere Pathologie diagnostizieren.

  2. Eine Fachkraft für psychische Gesundheit ersetzen. Die computergestützte Textanalyse ersetzt weder die klinische Beobachtung, noch persönliche Gespräche, standardisierte psychometrische Tests oder die Expertise des Klinikers.

  3. Nonverbale Kommunikation analysieren. Paralinguistik (Tonfall, Tempo, Lautstärke), Mimik, Körpersprache und der physische Kontext der Austausche entziehen sich naturgemäß der Textanalyse.

  4. Die Aufrichtigkeit der Rede beurteilen. Die Analyse betrifft das Geschriebene, nicht das Gedachte. Ein Teilnehmer kann aus Manipulation oder gesellschaftlicher Konvention zärtliche Sprache verwenden.

  5. Austausche außerhalb des Textes erfassen. Gespräche von Angesicht zu Angesicht, Telefonate und nicht digitale Interaktionen werden nicht berücksichtigt. Die Analyse betrifft eine möglicherweise nicht repräsentative Stichprobe der gesamten Kommunikation des Paares.

5.2 Identifizierte Verzerrungen

Verzerrung Beschreibung Abschwächung
Stichprobenverzerrung Die analysierte Konversation ist möglicherweise nicht repräsentativ für die Beziehung Ausdrücklicher Hinweis im Bericht
Verzerrung durch soziale Erwünschtheit Schriftliche Austausche können stärker „gefiltert“ sein als mündliche Kommunikation Berücksichtigung bei der Interpretation
Kulturelle Verzerrung Die Wörterbücher der Affektmarker sind auf das Französisch des Mutterlands kalibriert Schrittweise Erweiterung auf andere Varietäten
Aktualitätsverzerrung Überrepräsentation jüngster Nachrichten (50 % des Token-Budgets) Bewusste Entscheidung, da der aktuelle Stand klinisch am relevantesten ist
Längenverzerrung Kurze Konversationen liefern weniger zuverlässige Analysen Automatische Warnung unterhalb einer Nachrichtenschwelle
Plattformverzerrung Der Schreibstil variiert je nach Plattform (SMS vs. E-Mail) Plattformerkennung und kontextbezogene Anpassung
Verzerrung durch Modellinterpretation Sprachmodelle können halluzinieren oder überinterpretieren Strukturierte Prompts mit strikten JSON-Schemata und Vorsichtsanweisungen

5.3 Ethische Positionierung


6. Wissenschaftliche Referenzen

Bindungstheorie

Paarforschung (Gottman)

Dreieckstheorie der Liebe

Sprachen der Liebe

Schematherapie

Kognitive Therapie und Verzerrungen

Gewaltfreie Kommunikation

DISG-Modell

Transaktionsanalyse und Karpmans Dreieck

Johari-Fenster

FIRO

Polyvagal-Theorie

Häusliche Gewalt

Emotionsfokussierte Paartherapie

Dynamik von Verfolger und Distanzierer


Anhang: Übersicht der Modelle und Analysestufen

# Modell Hauptreferenz Stufe Scores
1 Dreieckstheorie der Liebe Sternberg (1986) Standard 3 x (0-100)
2 5 Sprachen der Liebe Chapman (1992) Standard 5 x (0-100) / Teilnehmer
3 Gottmans 4 Reiter Gottman (1994) Standard 4 x (0-100) + Verhältnis
4 Machtdynamik Johnson (2008), Fogarty (1976) Standard 2 x (0-100) + Gleichgewicht
5 Bindungsstile Bowlby (1969), Bartholomew (1991) Standard 4 x (0-100) / Teilnehmer
6 Kognitive Verzerrungen Beck (1976), Burns (1980) Standard 10+ x (0-100) + Auszüge
7 Youngs Schemata Young et al. (2003) Premium 18 x (0-100) / Teilnehmer
8 Gewaltfreie Kommunikation Rosenberg (2003) Premium 1 x (0-100) / Teilnehmer
9 DISG-Profil Marston (1928) Premium 4 x (0-100) / Teilnehmer
10 Karpmans Dreieck Karpman (1968) Premium 3 x (0-100) / Teilnehmer
11 Johari-Fenster Luft & Ingham (1955) Premium 4 x (0-100) / Teilnehmer
12 Schutz' FIRO Schutz (1958) Premium 6 x (0-100) / Teilnehmer
13 Polyvagal-Theorie Porges (2011) Premium 3 x (0-100) / Teilnehmer
14 Erkennung von Gewalt Walker (1979), Pence & Paymar (1993) Premium 4 Phasen + 8 x (0-100)

Dokument erstellt auf Grundlage der Analyse des ScanMyLove-v5.0-Quellcodes. Dieses Dokument richtet sich an Fachkräfte der psychischen Gesundheit, die die Glaubwürdigkeit und methodische Strenge des Werkzeugs beurteilen. Bei Fragen oder für eine Zusammenarbeit wenden Sie sich bitte an contact@psychologieetserenite.com.